Grundlagen

In der Behandlung von Menschen mit neurologischen Störungen ist das Bobath-Konzept eine der verbreitetsten Therapieformen. Es basiert einerseits auf neurophysiologischer Grundlage, geht andererseits aber von einem Ansatz aus, der den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit einbezieht. Dies bedingt eine enge Zusammenarbeit  der beteiligten Fachdisziplinen sowie  mit den Betroffenen und den Angehörigen.

Das Ehepaar Dr. h. c. Berta Bobath (Physiotherapeutin 1907 – 1991) und Dr. Karel Bobath (Neurologe und Psychiater 1906 – 1991) begann Mitte der 40er Jahre mit der Entwicklung seines Behandlungskonzeptes, das in den folgenden Jahrzehnten ständig erweitert und differenzierter wurde.

Das Bobath-Konzept ist keine Methode, sondern ein Konzept, es wird durch die in der therapeutischen Arbeit gewonnenen Erfahrungen, neuen Forschungsergebnisse aus den Neurowissenschaften und Anregungen aus benachbarten Wissenschaften immer weiterentwickelt. Daher wird es auch als Neuro-Developemental Treatment (NDT) bezeichnet.

Die prozesshafte Gesamtentwicklung des Menschen ist ständigen Veränderungen unterworfen. Der Behandlungsansatz nimmt Bezug auf die menschliche Entwicklung, die gekennzeichnet ist durch das Zusammenwirken sensomotorischer, perzeptiver, emotionaler und kognitiver Komponenten in der Auseinandersetzung im alltäglichen Umfeld.

«Die einzige Antwort auf die Frage, ob das, was Sie tun, das Richtige für das Kind ist, ist die Reaktion des Kindes auf das, was Sie tun.» (Berta Bobath)

In der Schweiz entwickelten seit 1958 Mary Quinton MBE, Physiotherapeutin und Dr. med. Dr. h. c. Elsbeth Köng, ehemalige Leiterin der Abteilung für Kinder mit cerebralen Bewegungsstörungen an der Universitätsklinik Bern, ein Konzept der Bobath-Behandlung mit Säuglingen. Ihre Frühdiagnostik und die Frühtherapie wurden in die ganze Welt verbreitet.

«Die Beobachtung der Spontanmotorik hat sich im Laufe der Jahre als sicherstes diagnostisches Mittel für cerebrale Bewegungsstörungen erwiesen. Es bestätigt sich dabei immer wieder, dass das Alter von 3 Monaten ein entscheidendes Stadium ist, zu dem sich nach frühen Verdachtssymptomen entweder die Entwicklung zur Normalität oder zu einer cerebralen Bewegungsstörung abzuzeichnen beginnt. Die zunehmende Dominanz abnormer Bewegungsmuster ab dem 3. Lebensmonat ist eine Indikation zur Therapie.» (Köng,1999)

Bobath = Prinzip der schöpferischen Unterstützung

«Dem ganzheitlichen Ansatz im Bobath-Konzept entspricht es, die motorische Eigenaktivität in die Handlung des Kindes zu integrieren. Handlungsorientiert zu denken bedeutet folglich im Bobath-Konzept, Bewegung immer als Element des Handelns zu verstehen. Durch Haltung und Bewegung werden Handlungen ermöglicht und durch diese Handlungen wiederum werden Haltung und Bewegung geübt, gefestigt und erweitert.» (Gisela Ritter)

Im Unterschied zu anderen Therapieformen existieren im Bobath-Konzept keine standardisierten Übungen, sondern im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten.

«Die Kunst ist nicht, die Hand am Kind zu haben, sondern die Hand im richtigen Moment wegzunehmen.» (Berta Bobath)